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jeudi 9 mai 2013

Zum Tag des globalen Sieges der Antideutschen über die Antinationalen



Ich versuche, jenen fernen Tag so genau wie möglich zu rekonstruieren. (...) Der Sieg! Ich erinnerte mich an die Nächte von Madrid, an die SS auf den Straßen von Paris, an Kiew. Großer Gott, welch ein Glück! Man mag sagen, was man will: Es bricht eine neue Epoche an. Unser Volk hat seine Kraft gezeigt. Schlecht gerüstet und plötzlich überrumpelt, hat es sich dennoch nicht ergeben. Es harrte in tödlicher Gefahr bei Moskau und an der Wolga aus, das Gesicht dem Angreifer zugewandt. Es hat den Angreifer zu Fall gebracht. Mir fiel ein Aufsatz aus dem "Christian Science Monitor" ein: "Die kommende Epoche wird man vielleicht das 'russische Jahrhundert' taufen ..." (...) (Ilja Ehrenburg)

lundi 5 mars 2012

Rostock: Anti-Antifa-Kampagne gegen Ilja-Ehrenburg-Straße reloaded


1. Offener Brief der Initiative Ilja Ehrenburg an Stadt und OB, 29.2.2012

"[...] der Pressesprecher der Hansestadt Rostock kündigte in einem Beitrag des NDR-Kulturjournals vom 27. Februar 2012 an, der Oberbürgermeister wolle die Diskussion um den Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße aufgreifen, einen Umbenennungsprozess auf den Weg bringen und dazu in den nächsten Tagen und Wochen das Gespräch mit den Vertretern der Kommunalpolitik suchen.

Wir fragen den Oberbürgermeister nachdrücklich, aus welchem Grund er die Diskussion aufgreifen will. Wir ersuchen ihn, mit allem Verantwortungsgefühl zu prüfen, worum es sich bei den als Grund vom Pressesprecher der Stadt genannten >jüngsten Erkenntnissen< zu Ilja Ehrenburg tatsächlich handelt.

[...]

Wir rufen die Verantwortlichen der Stadt auf, die politische Signalwirkung einer Eskalation der Diskussion um den Namen einer nach einem weltberühmten Schriftsteller, Antifaschisten und Juden benannten Straße im zwanzigsten Jahr nach den Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen und nach dem Bekanntwerden der Tatsache, dass auch in Rostock vom so genannten >Nationalsozialistischen Untergrund< ein Mord verübt wurde, bundesweit und international für Rostock zu bedenken.

Wir bitten unsere Adressaten, uns zu gestatten, in den nächsten Tagen und Wochen in dieser Angelegenheit mit weiteren Informationen an sie heranzutreten. Wir laden sie und alle Einwohner der Hansestadt Rostock ein, mit uns in den Dialog zu treten. Die Ilja-Ehrenburg-Straße trägt den Namen einer großen historischen Persönlichkeit. Wir arbeiten für die Erhaltung dieses Namens und dafür, dass die Stadt diesen Namen nicht nur nicht tilgt, sondern sich für ihn einsetzt und ihn verteidigt. Allen, die zur Person Ilja Ehrenburgs und zu den Einzelheiten der Kontroverse um den Straßennamen mehr wissen möchten, geben wir gern Auskunft. Wer unser Anliegen teilt, ist zur Mitarbeit in unserer Initiative herzlich willkommen."


2. Pressemitteilung der Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), 3.3.2012:

Die DIG-Hochschulgruppe hat mit Unverständnis die Ankündigung von Oberbürgermeister Roland Methling zur Kenntnis genommen, die „seit elf Jahren währende Diskussion um eine Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße“ wiederaufzugreifen. Durch diesen Vorstoß müssen sich all jene Kräfte ermutigt fühlen, die in den vergangenen Jahren auf die Tilgung eines der verbliebenen antifaschistischen Erinnerungsorte hinarbeiten. Die Bürgerschaft hatte im letzten Jahr mit der Ablehnung eines entsprechenden NPD-Antrages diesen Bestrebungen vorläufig Einhalt geboten.

Wir verurteilen aufs schärfste die verleumderischen Angriffe auf Ilja Ehrenburg, die – in Übernahme der NS-Propaganda – aus dem jüdischen Antifaschisten einen „Mordhetzer“ machen. Ehrenburgs „Hass-Artikel“ richteten sich nicht gegen „das deutsche Volk“ in seiner Gesamtheit, sondern gegen die Hitlerwehrmacht, als diese die Sowjetunion – wie zuvor eine Reihe anderer europäischer Staaten – mit Krieg überzog. Somit zielt die infame Behauptung, Ehrenburgs Handeln zöge „nach heutigem Recht“ eine „strafrechtliche Verfolgung“ nach sich, unmittelbar darauf ab, jedwede propagandistische Aktivität zugunsten der Anti-Hitler-Koalition zu delegitimieren. In dieser Logik hätte sich auch jeder Franzose, der während der hitlerdeutschen Okkupation die Marseillaise sang, strafwürdig verhalten.

In der Perspektive der deutsch-israelischen Freundschaft sei hier daran erinnert, dass die Ehrung der jüdisch-sowjetischen Veteranen der Roten Armee und namentlich Ilja Ehrenburgs Teil der Gedenkkultur der israelischen Republik ist. Ilja Ehrenburg gebührt das Verdienst, zusammen mit Wassili Grossman das Schwarzbuch über den Genozid an den sowjetischen Juden geschaffen zu haben, eine systematische Dokumentation über die planmäßige Ermordung jüdischer Sowjetbürger durch die Hitlerfaschisten.

Es wird auch unvergessen bleiben, dass Ehrenburg sich Stalin mit großem Mut verweigerte, als dieser die sowjetischen Juden mit einer „antizionistischen“ Kampagne überzog.

Unsere Hochschulgruppe wird sich allen Versuchen einer revanchistisch motivierten Umdeutung des publizistischen Wirkens Ilja Ehrenburgs entgegenstellen. Wir solidarisieren uns mit Bestrebungen wie denen der Initiative Ilja Ehrenburg, solchen Kampagnen durch historische Aufklärungsarbeit argumentativ zu begegnen. Von den zuständigen Körperschaften und Behörden erwarten wir, dass sie auch die erneute Umbenennungskampagne Makulatur werden lassen.

Daniel Leon Schikora

lundi 25 juillet 2011

Ilja-Ehrenburg-Straße: Zwei kleine Nazis garantieren öffentliche Erinnerung an großen Antifaschisten*


In der Sitzung der Rostocker Bürgerschaft vom 29. Juni wurde über einen Antrag der beiden NPD-Abgeordneten David Petereit und Birger Lüssow abgestimmt, der mit dem Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße einen der verbliebenen antifaschistischen Erinnerungsorte zum Gegenstand hatte. In dem Antrag der Neonazi-Partei wird von der Benennung einer Straße nach dem sowjetischen Antifaschisten in Rostock-Toitenwinkel als von einem „negativen Alleinstellungsmerkmal der Hansestadt“ gesprochen; diese Namensgebung sei „europa-, wenn nicht weltweit einmalig“. Die Antragsteller beschuldigen Ehrenburg, „Hass gegen das Deutsche Volk“ in einer Weise geschürt zu haben, die „unter anderen Umständen“ strafrechtlich verfolgt worden wäre. Als ob ihrem geschichtspolitischen Anti-Antifa-Vorstoß ein metapolitisch-humanitaristisches Anliegen zugrunde liege, appelliert der Antrag an die Bürgerschaftsmitglieder, „einen möglichst neutralen Standpunkt einzunehmen. Sie mögen sich vorstellen, es ginge um einen ehemaligen NS-Schriftsteller, der vergleichbare Forderungen wie Ehrenburg verbreitet hätte.“

Bevor über den NPD-Antrag abgestimmt wurde, nahm ein Bürgerschaftsabgeordneter der Partei Die Linke zu dem NPD-Antrag Stellung. Er machte auf die Fehlerhaftigkeit des Inhalts des Antrags aufmerksam, beginnend bei der simplen falschen Tatsachenbehauptung, es gebe zumindest in Europa nur eine Straße, die den Namen Ilja Ehrenburgs trage, nämlich die in Toitenwinkel: „[…] ein NPD-Mitglied kann natürlich nicht wissen, dass Russland einen europäischen Teil besitzt und die Ukraine und Weißrussland auch zu Europa gehören. In Kiew, der Geburtsstadt Ehrenburgs, gibt es selbstverständlich eine Straße, die nach ihm benannt ist.“ Sodann stellte der Abgeordnete der LINKEN heraus, gegen wen sich Ehrenburgs „Hass-Artikel“ richteten: nicht gegen „das deutsche Volk“ in seiner Gesamtheit, sondern „gegen bewaffnete deutsche Soldaten, die Kriegsverbrechen und Völkerrechtsverbrechen in Weißrussland, der Ukraine und Russland begingen“. Die Behauptung der NPD (und keineswegs nur dieser), Ehrenburg habe sich, indem er nach dem Überfall auf die UdSSR zum Widerstand gegen die Hitlerschen Rasseimperialisten aufrief, so verhalten, dass er unter anderen Umständen mit strafrechtlicher Verfolgung hätte rechnen müssen, erledigte der Abgeordnete mit den Worten: „Dass Ilja-Ehrenburg unter anderen Umständen die Strafverfolgung ereilt hätte, ist richtig, doch der Faschismus ist auf dem Schlachtfeld unterlegen.“ Der Abgeordnete rief in Erinnerung, dass Ilja Ehrenburg zusammen mit Wassili Grossman das Schwarzbuch über den Genozid an den sowjetischen Juden schuf, eine systematische Dokumentation über die planmäßige Ermordung jüdischer Sowjetbürger durch die Hitlerfaschisten.

Der NPD-Antrag zur Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße fand erwarteterweise keine Mehrheit in der Bürgerschaft. Allerdings traf er bezeichnenderweise auch nicht auf eine geschlossene Ablehnung aller anderen Fraktionen: Einige Abgeordnete der CDU-Fraktion enthielten sich oder verließen den Saal bei der Abstimmung. Es war ausschließlich der Umstand, dass durch dieses Verhalten der bisherige „Konsens“ einer Ächtung der Initiativen der NPD-Abgeordneten, unabhängig von ihrer inhaltlichen Stoßrichtung, gebrochen wurde, der in dem sozialdemokratischen Anti-NPD-Weblog Endstation Rechts als kritikwürdig befunden wurde.** Somit führt – neben der CDU – auch das SPD-Organ ER vor Augen, dass die – in der Sache begrüßenswerte – Entscheidung der Bürgerschaft für den Erhalt der öffentlichen Präsenz des Namens Ilja Ehrenburgs in Rostock alles andere als einen antifaschistischen Konsens widerspiegelt.

„Ilja Ehrenburg bleibt“ – als Stachel im Fleisch nicht nur einer neonazistischen Minderheit, sondern auch derer, die sich lediglich aus Gründen der Political Correctness – um nicht mit zwei kleinen Neonazis in eins gesetzt zu werden – eines Angriffs auf die öffentliche Erinnerung an einen großen Antifaschisten tunlichst enthalten haben.

* Erstveröffentlichung unter dem Titel: List der Vernunft: Zwei Neonazis garantieren öffentliche Erinnerung an Antifaschisten Ilja Ehrenburg, http://boju.blogsport.de/2011/07/25/list-der-vernunft-zwei-neonazis-garantieren-oeffentliche-erinnerung-an-antifaschisten-ilja-ehrenburg/.

** Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Claudia Barlen, die sich dem Thema am 6. Juli in einem ER-Beitrag widmete, verteidigte mit keinem Wort Ilja Ehrenburg gegen den – von ihr zitierten – NPD-Vorwurf des Schürens von „Hass gegen das Deutsche Volk“ und ging auch sonst in keiner Weise auf den rabiat geschichtsrevisionistischen Inhalt des Antrags der Neonazis inhaltlich ein.

mercredi 22 septembre 2010

Innerer Kreisparteitag: CDU attackiert öffentliches Gedenken an Ilja Ehrenburg


Aus dem Bericht der CDU Rostock über ihren 19. Kreisparteitag:

"[...] Außerdem beschloss der Kreisparteitag eine Satzungsänderung und sprach sich mit überwältigender Mehrheit für die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße aus."

Was "Links"deutsche jüngst als veritable Djihadisten im östlichen Mittelmeer in unmittelbarer Kontaktaufnahme zu den ihnen verhaßten Juden praktizierten, verlagert sich nun bei ostdeutschen "Christdemokraten" in den virtuellen Raum, wenn der Hitlersche Vernichtungsfeldzug gegen den "jüdischen Bolschewismus" in dem "überwältigenden" Anti-Antifa-Plädoyer gegen ein öffentliches Gedenken eines jüdischen Antifaschisten nachgespielt wird, dessen Biographie sie daran erinnert, daß die Hoffnung auf eine "Überwältigung" der Sowjetunion sich vor Leningrad, Moskau und Stalingrad zerschlug.

jeudi 22 juillet 2010

Dokumentation: Anti-Antifa-Bilderstürmer in Rostock stoßen auf Widerspruch


Presseerklärung der Initiative Ilja Ehrenburg vom 22. Juli 2010:

Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock: Zweifelhafte Umbenennungswünsche

Seit einigen Tagen betreibt die Junge Union Rostock, die schon in der Vergangenheit im Gefolge einschlägiger neofaschistischer Aktionen mit Flugschriften und Forderungen aufgetreten ist, eine Kampagne zur Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock. Damit hat sie zwar in der Rostocker Bürgerschaft keinen Anklang gefunden, Pressemitteilungen zufolge aber wohl bei politischen Vertretern der CDU auf Landes- und Bundesebene.

Ilja Ehrenburg (1891-1967) war ein jüdischer sowjetischer Schriftsteller, Dichter und Publizist. Bereits mit seinem ersten Roman erschrieb er sich Weltruhm. Den überwiegenden Teil seines Lebens verbrachte er außerhalb der Sowjetunion, vor allem in Frankreich. Er organisierte internationale Schriftstellerkongresse für die Verteidigung der Kultur gegen den Faschismus, arbeitete im Jüdischen Antifaschistischen Komitee der Sowjetunion, war einer der Herausgeber des >Schwarzbuchs< über die Verbrechen der faschistischen Invasoren an den sowjetischen Juden und in den fünfziger und sechziger Jahren ein führender Kopf der Weltfriedensbewegung, unter anderem Mitautor des Stockholmer Appells gegen die Atomwaffe 1950. In Deutschland ist er landläufig vor allem wegen seiner Kriegspublizistik bekannt. Gerade über sie wird aber mit besonders wenig Sachkunde geschrieben und gesprochen.

Die Protagonisten der aktuellen Umbenennungskampagne legen wenig Ehre ein: Der Name Ilja Ehrenburg wird falsch geschrieben. Titel von Werken Ehrenburgs werden verwechselt. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion von Mecklenburg-Vorpommern, der Ilja Ehrenburg nachsagt, Stalin >fanatisch< verehrt und zu seiner Politik geschwiegen zu haben, weiß nicht, dass Ehrenburg sowohl gegen den Hitler-Stalin-Pakt als auch gegen eine vermutete Deportation der sowjetischen Juden auftrat sowie gegen Übergriffe der Roten Armee auf die deutsche Zivilbevölkerung protestierte und dafür mit Publikationsverbot und der Androhung seiner Liquidation büßen musste. Ein Bundestagsabgeordneter der CDU aus MV, der Ehrenburg vorwirft, zum unterschiedslosen Töten von Deutschen gehetzt zu haben, setzt sich durch unvollständige Textkenntnis dem Verdacht aus, sich aus Quellen zu bedienen, die auch von Faschisten für ihre >Argumentationen< genutzt werden. Alle geben vor, Ehrenburgs Kriegspublizistik zu kennen, obwohl noch keiner seiner Kriegsartikel in deutscher Übersetzung gedruckt vorliegt. Alle sprechen von Beweisen für die Wirkungen der Kriegspublizistik von Ehrenburg und ignorieren ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München, das schon vor Jahren nachgewiesen hat, dass der Vorwurf, Ilja Ehrenburg habe zur Vergewaltigung deutscher Frauen aufgerufen, einer faschistischen Propagandalüge entstammt.

Dabei gibt es Gelegenheiten genug, sich über Ilja Ehrenburg zu informieren: Seit 2007 arbeitet in Rostock unsere Initiative. Wir informieren über Leben und Werk Ilja Ehrenburgs und fördern das Gedenken an seine Person. Dazu haben wir 2007-2008 eine Veranstaltungsreihe über Ilja Ehrenburg organisiert, geben Publikationen heraus und konnten 2009 die Ausstellung >Ilja Ehrenburg und die Deutschen<, mit der das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst nach seiner Neukonzipierung wiedereröffnet wurde, nach Rostock holen. In der Zeit der Ausstellung fand eine Podiumsdiskussion mit Kandidaten zur Kommunalwahl 2009 über den Straßennamen statt, auf der sich niemand für eine Umbenennung aussprach. Nach einer Verlängerung wurde die Ausstellung nach Kopenhagen übernommen und durch das dortige Literaturhaus ein hochkarätiges Begleitprogramm organisiert. Wir verfügen über Sprachkompetenz und können über beliebige Texte Ilja Ehrenburgs Auskunft geben.

Ilja Ehrenburg setzte sich sein ganzes Leben lang gegen jede Art der Verfolgung von Juden ein. Die zweite Konstante seines Lebens war sein konsequenter Antifaschismus. Seine Kriegspublizistik fußte auf seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Faschismus bereits aus dem Deutschland der zwanziger Jahre, aus dem faschistischen Putsch und seiner ausländischen Unterstützung in Spanien 1936-1939 und aus dem Fall von Paris. Die Angriffe in seinen Kriegsartikeln, die sich von denen der Kriegspublizisten an allen Fronten allenfalls durch ihre höhere literarische Qualität unterschieden, galten den faschistischen Aggressoren und ihrem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Wer darüber nicht spricht, schweigt über die faschistische deutsche Vergangenheit und ebnet einer weiteren Ausbreitung geschichtsrevisionistischen und neofaschistischen Gedankenguts in der Gesellschaft den Weg.

Die Initiative Ilja Ehrenburg wird in den nächsten Tagen ihre Unterstützer aus Wissenschaft, Kunst und Politik im In- und Ausland über die Vorgänge in Rostock informieren.

Initiative Ilja Ehrenburg

c/o Rostocker Friedensbündnis

rostocker-friedensbuendnis@web.de

http://www.rostocker-friedensbuendnis.de/initiative-ilja-ehrenburg

jeudi 2 juillet 2009

Gedenken an Ilja Ehrenburg Angriffsziel des "deutschen Archaismus"


In der Auseinandersetzung um das öffentliche Gedenken des sowjetischen Schriftstellers und Antifaschisten Ilja Ehrenburg manifestiert sich in geradezu idealtypischer Weise jene politisch-kulturelle Bruchlinie, die den "deutschen Archaismus" (Vaclav Belohradsky) von einem republikanischen Nationsverständnis trennt, dessen radikale Negation der Hitlerismus darstellt, unter dessen Gewaltherrschaft "die Juden, deren Deutschsein kulturell und nicht stammesmäßig begründet war", entrechtet und schließlich systematisch ermordet wurden.* Von den Neonazi-Parteien NPD und DVU bis zu einem völkischen Agitator gegen den bundesdeutschen "Schuldkult" wie dem GfbV-Mitglied Heinz Nawratil: Der archaische Deutsche hat Ehrenburg nicht verziehen, daß dieser sich als Jude nicht widerstandslos zur Schlachtbank treiben ließ, sondern als Sowjetbürger seine Landsleute zum Widerstand gegen den Hitlerschen Rasseimperialismus aufrief - daß er also - in de Gaulles Worten - für die Verteidigung der "abendländischen Zivilisation" "auf den Feldern der Ukraine" eintrat.

Anläßlich der Kontroverse über den Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock legte Willi Beitz am 22. Juni dar, daß mit Ehrenburg das Werk eines "großen Europäers", eines Autors, in dessen Werk sich die Perspektiven einer Einheit Europas auf der Grundlage einer Aufhebung national-kultureller Partikularismen zugunsten eines humanistischen Universalismus widerspiegeln, aus dem kollektiven Gedächtnis auch der Bewohner des östlichen Deutschland ausradiert zu werden droht. (Ilja Ehrenburg – Plädoyer für einen großen Europäer [Vortrag in Rostock am 22. Juni 2009]).

* Zitate nach: Walter von Goldendach / Hans-Rüdiger Minow: Von Krieg zu Krieg. Die deutsche Außenpolitik und die ethnische Parzellierung Europas. Berlin 1997.