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mardi 8 décembre 2015
Keine westliche "Unterlassungssünde"
Zum 40. Jahrestag des indonesischen Überfalls auf Osttimor
"(...) Untersuchungen von Amnesty International, Human Rights Watch und anderer Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen gehen davon aus, daß von Ende 1975 bis zum Frühjahr 1998, als Indonesiens Präsident Hadji Mohamed Suharto zurücktrat, über 200 000 der etwa 800 000 Einwohner Osttimors infolge der indonesischen Besatzung ums Leben kamen. Exekutiert wurde dieser Genozid von den Sicherheitskräften eines Regimes, dessen Oberhaupt der ausgesprochene Darling der 'westlichen Wertegemeinschaft' in Südostasien war. Suharto selbst hatte sich Anfang Oktober 1965 als General der Eliteeinheit Kostrad blutig an die Macht geputscht, Hunderttausende Regimegegner und vermeintliche Kommunisten (die KP Indonesiens, PKI, war damals die weltweit drittstärkste KP) massakrieren lassen und damit den Grundstein seiner 'Neuen Ordnung' gelegt."
Rainer Werning, Bauernopfer im Kalten Krieg, in: junge Welt, 14.12.2005
"Die humanitäre Katastrophe in Ost-Timor resultierte nicht aus 'Unterlassungssünden' der liberalen Demokratien. Sie wurde vielmehr (...) von ihnen bewirkt. Bei der Invasion von 1975 konnte sich Indonesien auf US-amerikanische Waffenhilfe und diplomatische Unterstützung verlassen, ebenso drei Jahre später, als die Greueltaten völkermordähnliche Ausmaße annahmen. Und diese Unterstützung wurde auch jenem Verbrecher gewährt, der zu den oberen Rängen von Shawcross' 'bösartigen Kräften' gehört, jedoch immer als 'gemäßigt' gepriesen und von der Regierung Clinton als 'unser Typ' bezeichnet wurde, bis er 1997 die Kontrolle verlor und fallengelassen werden musste. Als 1978 Suhartos Untaten in Ost-Timor ihren Höhepunkt erreichten, wurde er nicht nur von den USA, sondern auch von Großbritannien, Frankreich und anderen Mächten protegiert. Ost-Timor war allein insofern zu 'indonesischem Territorium' geworden, als die liberalen Demokratien unter Missachtung der Anordnungen des UN-Sicherheitsrats und einem Urteil des Weltgerichtshofs der Annektion ihren Segen gaben."
Noam Chomsky, People Without Rights. Kosovo, Ost-Timor und der Westen, Hamburg 2002, S. 29
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samedi 3 octobre 2015
Ein Antidot gegen prodeutschen Geschichtsrevisionismus (30)
FAZ, 2.10.2015:
Wie betrauert eine Familie einen ermordeten Sohn, dessen Mörder in frisch gestärkter Tunika vor laufender Kamera in obszönem Detail davon erzählt, wie er ihn zerstückelt hat? Und sich mit dieser Erzählung, unterfüttert von einem Nachstellen der Szene am Tatort, öffentlich brüsten kann, weil er immer noch zur Machtelite Indonesiens gehört, unantastbar und jenseits allen Schuldgefühls?
Die Familie von Ramli ist eine von Tausenden, in denen ein Opfer des Genozids von 1965 zu betrauern ist, der bis heute in den Schulen als notwendige "Säuberungsaktion gegen Kommunisten", die das Land übernehmen wollten, dargestellt wird. Die Verwandten der Opfer, stigmatisiert und diffamiert, müssen schweigen. Sie leben immer noch in Angst, umgeben von den Mördern, die weiterhin das Sagen haben.
[...]
jW, 1.10.2015:
[...]
Helfershelfer Suhartos war seitens der Bundesrepublik der Bundesnachrichtendienst (BND), der die indonesischen Militärs mit Logistik und Waffen unterstützte. Von der Bundeswehr und dem Bundesgrenzschutz gab es für die fernen Freunde Hilfestellung in Form von Ausbildungskursen für Offiziere an der Bundeswehrakademie Hamburg-Blankenese sowie Spezialtrainings bei der 1972 gegründeten Elitetruppe GSG 9 in Hangelar bei Bonn. Dort erhielt unter anderem auch ein Schwiegersohn Suhartos, der damalige Hauptmann und spätere General Prabowo Subianto, vom 1. April bis zum 18. Dezember 1981 ein Training. In seine Heimat zurückgekehrt, avancierte Prabowo zum Chef der indonesischen militärischen Spezialeinheiten und übernahm zudem das Kommando über das wegen seiner Brutalität gefürchtete »Detachment 81«.
Und für die in- wie ausländische Imagepflege Suhartos als stets »lächelndem General« zeichnete ausgerechnet der Ex-SS-Obersturmbannführer Rudolf Oebsger-Röder verantwortlich. Vorgesetzte beim Sicherheitsdienst der SS hatten Röder eine »tadellose Auffassungsgabe« attestiert und ihn als jemanden charakterisiert, der sich »stets mit seiner ganzen Person für den Nationalsozialismus eingesetzt« habe. Nach dem Krieg war Röder unter anderem hauptberuflich für die Organisation Gehlen, den Vorläufer des BND, tätig, setzte sich Ende Dezember 1959 nach Indonesien ab und arbeitete in Jakarta unter dem Namen O. G. Roeder sowohl als BND-Mitarbeiter als auch als Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung und die Neue Zürcher Zeitung. In der indonesischen Metropole gelang es ihm, Zugang zu Suharto zu finden und als dessen Berater und Biograph zu wirken.
[...]
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dimanche 17 février 2013
Aus aktuellem Anlass
Kosovo und Metohija – eine islamische Parallelgesellschaft wird zum „Staat“

Auf die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17. Februar 2008 reagierte die Republik Serbien prompt: Die (ethnisch-albanische) politische Führung der Sezessions„republik“ habe sich – so das serbische Innenministerium – einer schweren Straftat gegen die Verfassung Serbiens und die Sicherheit des Landes schuldig gemacht, weshalb namentlich „Ministerpräsident“ Thaçi, „Präsident“ Sejdiu und „Parlamentspräsident“ Krasniqi wegen Hochverrats angeklagt wurden. Des weiteren hat Serbien [...] seine Botschafter aus all jenen Staaten zurückberufen, die die „Republik Kosovo“ offiziell anerkannt hatten, deren Territorium aus 15 Prozent des serbischen Staatsgebietes besteht. Dies betrifft auch die diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und Deutschland.
Bemerkenswerterweise war es die Islamische Republik Afghanistan, die sich als erster Staat bereit fand, das albanisch-muslimisch dominierte Kosovo offiziell anzuerkennen. Zu den weltpolitisch gewichtigeren Vorreitern einer solchen Anerkennungspolitik gehört – neben den USA, die den Kosovo-Albanern (und nicht nur diesen) als der eigentliche Garant ihrer „Staatsgründung“ gelten – die Französische Republik. Diese hatte bereits unter Staatspräsident Chirac mit ihrer „pro-serbischen“ Jugoslawien-Politik gebrochen, in deren Zentrum unter Chiracs Amtsvorgänger Mitterrand der Versuch gestanden hatte, einer Zerstückelung Jugoslawiens entgegenzuwirken. So kam Frankreich mit seiner Anerkennungserklärung, die es als erster Staat innerhalb der EU abgab, selbst Deutschland noch zuvor.
Demgegenüber stehen so unterschiedliche politische Gemeinwesen wie Rußland, Kasachstan, China, Indien, Sri Lanka oder Indonesien einer völkerrechtlichen Anerkennung des Kosovo ablehnend gegenüber. Innerhalb der EU sind es in erster Linie Spanien, Griechenland, Zypern, die Slowakei und Rumänien, die erklärtermaßen die Warnungen Serbiens vor einem Umsichgreifen der Nichtbeachtung völkerrechtlicher Normen in „ethnisch“ aufgeladenen territorialpolitischen Konflikten teilen.
Wie wenig jedoch in Serbien die Abspaltung des Kosovo als eine rein „juristische“ Frage begriffen wird, die (neben den dafür zuständigen Behörden) ausschließlich die unmittelbar Betroffenen – so die Hunderttausende vertriebener Kosovo-Serben – tangiere, führten die serbischen Demonstrationen in den Tagen nach der „kosovarischen“ Unabhängigkeitserklärung eindrucksvoll vor Augen. Nicht nur innerhalb der Grenzen der Republik Serbien, sondern auch in der bosnisch-serbischen Republik Srpska und in Montenegro fanden Protestveranstaltungen statt. Die Proteste erreichten am 21./22. Februar ihren Höhepunkt in einer Großdemonstration in Belgrad, an der allein 200.000 bis 500.000 Menschen teilnahmen.
„Niemals hat sich deutlicher gezeigt, warum Serbien bestialisch von Nato-Bomben zerstört wurde“, so hatte der serbische Ministerpräsident Kostunica bereits unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung der Kosovo-Albaner diesen Akt der Gründung eines „falschen Staates“ kommentiert. Daß die Proteste gegen die Teilung Serbiens von einem nicht unbeträchtlichen Teil der serbischen Jugend getragen wurden, führt vor Augen, daß die Kosovo-Politik des politischen „Europa“ auch in einer Generation, die den Bombenkrieg gegen Jugoslawien 1999 noch nicht politisch bewußt mitverfolgte, als ein fortgesetzter Angriff auf Serbien in seiner Gesamtheit angesehen wird.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kam nicht umhin, die Kundgebung in Belgrad für die territoriale Einheit Serbiens mit dem 5. Oktober 2000 zu vergleichen, als die Regierung Milosevic gestürzt wurde. „Doch auch wenn sich die Bilder gleichen mögen, an diesem Abend ist es anders. Damals hatten die Serben ihre Geschichte in der Hand, jetzt hat ihre Geschichte sie in der Hand.“ (FAZ, 23.2.2008) Wieder einmal wird hier von deutscher Seite den Serben, die kein Verständnis für die „Notwendigkeit“ einer „Legalisierung“ der albanischen Landnahme im serbischen Herzland Kosovo-Metohija (Kosmet) aufzubringen vermögen, bescheinigt, als politische Romantiker dem „Mythos“ verhaftet zu sein, der mit der serbischen Niederlage gegen das Osmanische Reich auf dem Amselfeld (= Kosovo Polje) 1389 verbunden ist. Polemiken dieser Art beruhen auf der systematischen Ausblendung der Tatsache, daß der serbisch-albanische Antagonismus in Kosmet – weit davon entfernt, das Produkt eines auf „1389″ fixierten archaischen serbischen Chauvinismus zu sein – ein Kontinuum der modernen serbischen respektive jugoslawischen Nationalstaatsbildung darstellt.
Im Kosmet wurde erst infolge des I. Balkankrieges (1912/13), als das Territorium in das Staatsgebiet des seit 1878 unabhängigen serbischen Königreiches inkorporiert wurde, die osmanische Fremdherrschaft überwunden. Erst in den letzten Jahrzehnten der osmanischen Präsenz im westlichen Balkan hatte sich in dem Territorium eine demographische Umwälzung zuungunsten der Serben vollzogen. Nach der Konstituierung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929: Jugoslawien) wurde – in den Jahren 1922-29 und 1933-38 – die Revision der Marginalisierung der Serben im Kosmet staatlicherseits durch Rückkehr eines Teils der vertriebenen Serben gefördert. Nach der Besetzung Jugoslawiens durch die Achse kam es im August 1941 zu der bis zum Februar 2008 einzigen albanischen „Staatsgründung“ im Kosmet in Gestalt der Einverleibung des Territoriums in ein unter Italiens Ägide stehendes „Großalbanien“.
Ungeachtet der ethnischen Vertreibung und des Massenmordes, denen die Serben des Kosmet insbesondere nach dem Rückzug der Italiener (1943) seitens achsenfreundlicher Albaner ausgesetzt waren, zwang Tito Serbien eine Politik der albanischen Masseneinwanderung in das Kosmet auf. Im Verlaufe der ersten Nachkriegsjahrzehnte sahen sich die Serben (und andere Nicht-Albaner) in den Status einer allenfalls geduldeten Minderheit gebracht. Insbesondere unter den Bedingungen der treffend als „neoosmanisch“ charakterisierten ethno-föderalistischen jugoslawischen Verfassung von 1974 wurden die im Kosmet beheimateten Nicht-Albaner den Willkürakten der (albanisch dominierten) lokalen Behörden schutzlos ausgesetzt. In gewisser Hinsicht könnte die völkerrechtliche Anerkennung eines „unabhängigen“ Kosovo – eines weiteren islamischen Staates inmitten Europas – durch einen Teil der „internationalen Staatengemeinschaft“ als ein „erfolgreicher“ Abschluß der mit dem „Neoosmanismus“ Titos in Angriff genommenen Politik einer Aufteilung des jugoslawischen Kernstaates Serbien in ethnische „Reviere“ interpretiert werden.
Nachdem der türkische Ministerpräsident Erdogan vor wenigen Tagen durch eine Polemik gegen die (vermeintlich) drohende „Assimilation“ türkischer Einwanderer an die deutsche Mehr-heitsgesellschaft hervortrat, übt Deutschland nun den Schulterschluß mit der Türkei bei der „Legalisierung“ jenes albanisch-muslimischen Nationalismus, unter dessen Gewaltherrschaft seit 1999 Hunderttausende von Nicht-Albanern keineswegs „assimiliert“, sondern ermordet oder vertrieben wurden. Die wenigen zehntausend im Kosovo verbliebenen Serben müssen, soweit sie nicht in dem infrastrukturell mit dem unbesetzten Serbien verbundenen Norden des Territoriums leben, in ghettoartigen Enklaven ausharren. Die extremistischen albanischen Milizen der UCK sind niemals entwaffnet worden (wie es die nach wie vor gültige Resolution 1244 des Weltsicherheitsrates vom 10. Juni 1999 festlegt!), sondern in den „zivilen“ Strukturen des Kosovo aufgegangen. Dieses wird nunmehr als „unabhängiger Staat“ durch eine „politische Elite“ repräsentiert, die der ehemalige kanadische Botschafter in Belgrad, James Bissett, wie folgt charakterisiert: „Sie haben unter der NATO-Besatzung fast die gesamte nichtalbanische Bevölkerung vertrieben und über 150 christliche Kirchen und Klöster zerstört.“
Strasbourg, März 2008
Daniel Leon Schikora
Vuk Milojević

Auf die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo am 17. Februar 2008 reagierte die Republik Serbien prompt: Die (ethnisch-albanische) politische Führung der Sezessions„republik“ habe sich – so das serbische Innenministerium – einer schweren Straftat gegen die Verfassung Serbiens und die Sicherheit des Landes schuldig gemacht, weshalb namentlich „Ministerpräsident“ Thaçi, „Präsident“ Sejdiu und „Parlamentspräsident“ Krasniqi wegen Hochverrats angeklagt wurden. Des weiteren hat Serbien [...] seine Botschafter aus all jenen Staaten zurückberufen, die die „Republik Kosovo“ offiziell anerkannt hatten, deren Territorium aus 15 Prozent des serbischen Staatsgebietes besteht. Dies betrifft auch die diplomatischen Beziehungen zwischen Serbien und Deutschland.
Bemerkenswerterweise war es die Islamische Republik Afghanistan, die sich als erster Staat bereit fand, das albanisch-muslimisch dominierte Kosovo offiziell anzuerkennen. Zu den weltpolitisch gewichtigeren Vorreitern einer solchen Anerkennungspolitik gehört – neben den USA, die den Kosovo-Albanern (und nicht nur diesen) als der eigentliche Garant ihrer „Staatsgründung“ gelten – die Französische Republik. Diese hatte bereits unter Staatspräsident Chirac mit ihrer „pro-serbischen“ Jugoslawien-Politik gebrochen, in deren Zentrum unter Chiracs Amtsvorgänger Mitterrand der Versuch gestanden hatte, einer Zerstückelung Jugoslawiens entgegenzuwirken. So kam Frankreich mit seiner Anerkennungserklärung, die es als erster Staat innerhalb der EU abgab, selbst Deutschland noch zuvor.
Demgegenüber stehen so unterschiedliche politische Gemeinwesen wie Rußland, Kasachstan, China, Indien, Sri Lanka oder Indonesien einer völkerrechtlichen Anerkennung des Kosovo ablehnend gegenüber. Innerhalb der EU sind es in erster Linie Spanien, Griechenland, Zypern, die Slowakei und Rumänien, die erklärtermaßen die Warnungen Serbiens vor einem Umsichgreifen der Nichtbeachtung völkerrechtlicher Normen in „ethnisch“ aufgeladenen territorialpolitischen Konflikten teilen.
Wie wenig jedoch in Serbien die Abspaltung des Kosovo als eine rein „juristische“ Frage begriffen wird, die (neben den dafür zuständigen Behörden) ausschließlich die unmittelbar Betroffenen – so die Hunderttausende vertriebener Kosovo-Serben – tangiere, führten die serbischen Demonstrationen in den Tagen nach der „kosovarischen“ Unabhängigkeitserklärung eindrucksvoll vor Augen. Nicht nur innerhalb der Grenzen der Republik Serbien, sondern auch in der bosnisch-serbischen Republik Srpska und in Montenegro fanden Protestveranstaltungen statt. Die Proteste erreichten am 21./22. Februar ihren Höhepunkt in einer Großdemonstration in Belgrad, an der allein 200.000 bis 500.000 Menschen teilnahmen.
„Niemals hat sich deutlicher gezeigt, warum Serbien bestialisch von Nato-Bomben zerstört wurde“, so hatte der serbische Ministerpräsident Kostunica bereits unmittelbar nach der Unabhängigkeitserklärung der Kosovo-Albaner diesen Akt der Gründung eines „falschen Staates“ kommentiert. Daß die Proteste gegen die Teilung Serbiens von einem nicht unbeträchtlichen Teil der serbischen Jugend getragen wurden, führt vor Augen, daß die Kosovo-Politik des politischen „Europa“ auch in einer Generation, die den Bombenkrieg gegen Jugoslawien 1999 noch nicht politisch bewußt mitverfolgte, als ein fortgesetzter Angriff auf Serbien in seiner Gesamtheit angesehen wird.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kam nicht umhin, die Kundgebung in Belgrad für die territoriale Einheit Serbiens mit dem 5. Oktober 2000 zu vergleichen, als die Regierung Milosevic gestürzt wurde. „Doch auch wenn sich die Bilder gleichen mögen, an diesem Abend ist es anders. Damals hatten die Serben ihre Geschichte in der Hand, jetzt hat ihre Geschichte sie in der Hand.“ (FAZ, 23.2.2008) Wieder einmal wird hier von deutscher Seite den Serben, die kein Verständnis für die „Notwendigkeit“ einer „Legalisierung“ der albanischen Landnahme im serbischen Herzland Kosovo-Metohija (Kosmet) aufzubringen vermögen, bescheinigt, als politische Romantiker dem „Mythos“ verhaftet zu sein, der mit der serbischen Niederlage gegen das Osmanische Reich auf dem Amselfeld (= Kosovo Polje) 1389 verbunden ist. Polemiken dieser Art beruhen auf der systematischen Ausblendung der Tatsache, daß der serbisch-albanische Antagonismus in Kosmet – weit davon entfernt, das Produkt eines auf „1389″ fixierten archaischen serbischen Chauvinismus zu sein – ein Kontinuum der modernen serbischen respektive jugoslawischen Nationalstaatsbildung darstellt.
Im Kosmet wurde erst infolge des I. Balkankrieges (1912/13), als das Territorium in das Staatsgebiet des seit 1878 unabhängigen serbischen Königreiches inkorporiert wurde, die osmanische Fremdherrschaft überwunden. Erst in den letzten Jahrzehnten der osmanischen Präsenz im westlichen Balkan hatte sich in dem Territorium eine demographische Umwälzung zuungunsten der Serben vollzogen. Nach der Konstituierung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929: Jugoslawien) wurde – in den Jahren 1922-29 und 1933-38 – die Revision der Marginalisierung der Serben im Kosmet staatlicherseits durch Rückkehr eines Teils der vertriebenen Serben gefördert. Nach der Besetzung Jugoslawiens durch die Achse kam es im August 1941 zu der bis zum Februar 2008 einzigen albanischen „Staatsgründung“ im Kosmet in Gestalt der Einverleibung des Territoriums in ein unter Italiens Ägide stehendes „Großalbanien“.
Ungeachtet der ethnischen Vertreibung und des Massenmordes, denen die Serben des Kosmet insbesondere nach dem Rückzug der Italiener (1943) seitens achsenfreundlicher Albaner ausgesetzt waren, zwang Tito Serbien eine Politik der albanischen Masseneinwanderung in das Kosmet auf. Im Verlaufe der ersten Nachkriegsjahrzehnte sahen sich die Serben (und andere Nicht-Albaner) in den Status einer allenfalls geduldeten Minderheit gebracht. Insbesondere unter den Bedingungen der treffend als „neoosmanisch“ charakterisierten ethno-föderalistischen jugoslawischen Verfassung von 1974 wurden die im Kosmet beheimateten Nicht-Albaner den Willkürakten der (albanisch dominierten) lokalen Behörden schutzlos ausgesetzt. In gewisser Hinsicht könnte die völkerrechtliche Anerkennung eines „unabhängigen“ Kosovo – eines weiteren islamischen Staates inmitten Europas – durch einen Teil der „internationalen Staatengemeinschaft“ als ein „erfolgreicher“ Abschluß der mit dem „Neoosmanismus“ Titos in Angriff genommenen Politik einer Aufteilung des jugoslawischen Kernstaates Serbien in ethnische „Reviere“ interpretiert werden.
Nachdem der türkische Ministerpräsident Erdogan vor wenigen Tagen durch eine Polemik gegen die (vermeintlich) drohende „Assimilation“ türkischer Einwanderer an die deutsche Mehr-heitsgesellschaft hervortrat, übt Deutschland nun den Schulterschluß mit der Türkei bei der „Legalisierung“ jenes albanisch-muslimischen Nationalismus, unter dessen Gewaltherrschaft seit 1999 Hunderttausende von Nicht-Albanern keineswegs „assimiliert“, sondern ermordet oder vertrieben wurden. Die wenigen zehntausend im Kosovo verbliebenen Serben müssen, soweit sie nicht in dem infrastrukturell mit dem unbesetzten Serbien verbundenen Norden des Territoriums leben, in ghettoartigen Enklaven ausharren. Die extremistischen albanischen Milizen der UCK sind niemals entwaffnet worden (wie es die nach wie vor gültige Resolution 1244 des Weltsicherheitsrates vom 10. Juni 1999 festlegt!), sondern in den „zivilen“ Strukturen des Kosovo aufgegangen. Dieses wird nunmehr als „unabhängiger Staat“ durch eine „politische Elite“ repräsentiert, die der ehemalige kanadische Botschafter in Belgrad, James Bissett, wie folgt charakterisiert: „Sie haben unter der NATO-Besatzung fast die gesamte nichtalbanische Bevölkerung vertrieben und über 150 christliche Kirchen und Klöster zerstört.“
Strasbourg, März 2008
Daniel Leon Schikora
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lundi 27 octobre 2008
Vichyismus light: Stéphane Courtois redet "Entkommunisierung" das Wort

Der Ex-Maoist Stéphane Courtois, Herausgeber jenes "Schwarzbuchs", in dem etwa die islamistischen Mordbrenner Hekmatyars und Bin Ladins als niedliche muslimische Traditionalisten gezeichnet werden, die sich gegen kommunistische Willkür zur Wehr gesetzt hätten (Scharia, ein Afghanenrecht, nicht wahr?!), hat "für die Abrechnung mit dem Kommunismus die Wortschöpfung 'Entkommunisierung' erfunden - als Pendant zum Begriff 'Entnazifizierung'". (WELT ONLINE, 26.10.2008) Das Wort "Entkommunisierung" mag Courtois tatsächlich erfunden haben, mit der Sache waren freilich bereits Hitler, Himmler, Suharto, Galtieri bestens vertraut ...
In Courtois' Augen muß der Schulterschluß nationalkonservativer, liberaler oder christlicher Franzosen, die 1940 ff. nicht bereit waren, eine dauerhafte Unterwerfung ihrer Nation unter Hitlers "Neues Europa" hinzunehmen, mit der Kommunistischen Partei als Verdikt erscheinen - da er dem Umstand Vorschub leistete, daß "Westeuropas Demokratien die Sowjetunion als Alliierter im Kampf gegen Hitler in einem verklärten Gedächtnis geblieben sei - nicht nur bei Linken, sondern bis weit in die bürgerliche Mitte hinein" - eine "Mitte", gegen deren "Irrtümer" das ultralinke Groupie der Roten Garden der chinesischen "Kulturrevolution" naturgemäß gefeit war.
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dimanche 10 août 2008
Wenn die Bohème vom Frankfurter Taxenstand die Bombe zu lieben lernt

Unter dem Titel: "Ein mörderischer Bohemien", hatte Thomas Schmid anläßlich des 80. Geburtstages von Ernesto ("Che") Guevara "den schönsten Nachruf seit seiner Trauerrede am Grab von Gudrun, Andreas und Jan" (Hermann L. Gremliza) verfaßt - nur daß er, "wie Hinz, Biermann und Kunz, heute besingt, was er einmal verflucht, und verflucht, was er einmal besungen hat. So sind Tenöre."
Hermann L. Gremliza hat nun seinerseits des Thomas Schmids Geschichtsphilosophie vom Kopf auf die Füße gestellt:
[...]
Millionen von Menschen mußten den Versuch, das Paradies auf Erden zu errichten und aller Unterdrückung ein Ende zu machen, mit dem Leben bezahlen.
Auch das ist fast schon wieder wahr: Millionen Russen, Vietnamesen, Indonesier, Chilenen, Nicaraguaner, Kongolesen haben den Versuch, ihrer Unterdrückung ein Ende zu machen, mit dem Leben bezahlt.
Die entsetzliche Idee, es sei einer mit objektiver Geschichtsweisheit ausgestatteten Avantgarde und Elite erlaubt, im Namen der Menschheit zu handeln und zu töten, hat kein eindrucksvolleres und schöneres Gesicht gefunden als das
Joschka Fischers, des Bombenwerfers auf Belgrad?
Und kein fürchterlicheres. Nie zuvor und nie danach wurde die Bohème auf elegantere und im wahrsten Sinne des Wortes eindrucksvollere Weise mörderisch.
Ob Bohème das passende Wort ist für das Milieu am Frankfurter Taxenstand?
(Zit. nach: "Gremlizas Express", in: KONKRET 8/2008, S. 66)
Die Polemik ist treffend: Der der Rolle eines Bohemiens nacheifernde Sponti vom Frankfurter Taxenstand wurde zu dem Zeitpunkt, als er zum Serbenschlächter avancierte, zum Che der Quangos.
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dimanche 8 juin 2008
Indonesien: Liberale Muslime gegen islamistische Sektenjäger

Wie die FAZ vom 5.6.2008 berichtet, stößt in Indonesien der von radikalen Islamisten ausgehende Terror gegen religiöse Minderheiten auf wachsenden Widerspruch seitens liberaler Muslime, die sich hierbei (der FAZ zufolge) auf die einem moderaten Islam zuneigende "oft schweigende Mehrheit Indonesiens" stützen können:
"Seit der konservative Muslimrat die Ahmadiyya aus der indonesischen 'Ummah' ausgeschlossen hat, versuchen die Fundamentalisten, die Sekte auch vom Staat verbieten zu lassen. Das aggressive Vorgehen der Islamisten empört nicht nur die anderen Religionsgemeinschaften, sondern auch die moderaten Muslime. Sie berufen sich auf die Staatsideologie - die Pancasila -, die keine Staatsreligion vorschreibt, sondern lediglich den Glauben an einen Gott.
Der Konflikt eskalierte, als am vergangenen Sonntag in Jakarta eine Kundgebung für religiöse Toleranz von Mitgliedern der 'Islamischen Verteidigungsfront' (FPI) angegriffen wurde. Die mit Bambusstöcken bewaffneten Islamisten prügelten auf die Teilnehmer ein und schlugen dabei Dutzende krankenhausreif. Die meist in Weiß gewandeten FPI-Mitglieder kämpfen schon seit langem für die 'Reinheit' des Glaubens. In den vergangenen Jahren haben sie Nachtclubs in Jakarta demoliert und unter anderem das Redaktionsgebäude des 'Playboy' angegriffen, ohne dass die Staatsmacht viel unternommen hätte. Aber mit ihrer Prügelorgie vor dem Nationalmonument in Jakarta scheint die FPI eine Grenze überschritten zu haben. Unter den Teilnehmern der Kundgebung befanden sich viele angesehene Muslimführer, unter ihnen der frühere Staatspräsident Abdurrahman Wahid, der auch Gus Dur genannt wird.
Seither gehen die moderaten Muslime - die oft schweigende Mehrheit Indonesiens - in die Offensive, 'Wir sollten diesen Leuten keinen Raum für ihre schädlichen Aktionen geben', sagte Jenny Wahid, die Tochter Gus Durs. Der Staat müsse endlich hart durchgreifen, fordert die gläubige Muslimin, die als Vorsitzende des Wahid-Instituts in Religionsfragen zu einer Autorität in Indonesien geworden ist. Der Anwalt Adnan Buyong Nasution, der Präsident Yudhoyono in Rechtsfragen berät, empfahl dem Justizminister, bei Gericht einen Verbotsantrag gegen die FPI einzureichen.
Nach langem Schweigen hat sich die Regierung nun eingeschaltet. Yudhoyono, der sich in heiklen Fragen wie der Religion gerne zurückhält, verurteilte den Angriff der FPI und kündigte Maßnahmen an. Sein Sicherheitsminister Widodo sagte: 'Wir sollten dieses Problem nicht nur als eine Gewaltaktion wahrnehmen, sondern als etwas, das die Kultur unseres Landes befleckt.' Am Mittwoch folgten erste Taten. Die Polizei drang in das Hauptquartier der FPI in Jakarta ein und nahm 57 Männer fest. Ein Anfang sei damit gemacht, heißt es in Jakarta, aber ein wirkliches Zeichen wäre erst gesetzt, wenn die Regierung den Fundamentalisten auch politisch den Kampf ansagte und die Ahmadiyya-Sekte zu einer legalen Religionsgemeinschaft erklärte."
Selbstverständlich genügt die erwähnte Pancasila-Doktrin in keiner Weise dem menschen- und bürgerrechtlichen Minimum eines freiheitlichen säkularen Rechtsstaates, der individuelle Freiheits- (wie politische Partizipations-)Rechte des Einzelnen unabhängig von irgendeinem (positiven) religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis garantiert. Allerdings treten gleichwohl in Indonesien moderate Angehörige des sunnitischen Mehrheitsislam, indem sie sich mit von islamistischer Gewaltanwendung heimgesuchten Ahmadis solidarisieren, für das Prinzip der religiösen Toleranz ein, das konsequent einzufordern in Deutschland (oder Frankreich) mittlerweile bestenfalls als altmodisch, wenn nicht als gemeingefährlich gilt:
"Zunächst vermutete Ursula Caberta bei ihren Auftritten in Konstanz und Singen, dass sie es mit Scientologen zu tun hatte. Die Argumentationsstruktur der Störenfriede sei identisch mit der der Scientologen. Nun kommen Zweifel auf: Der "Bund gegen Anpassung" mit Sitz in Freiburg hat gestern in Konstanz Flugblätter verteilt, die sich wie eine Art Bekennerschreiben lesen. Die Aktivisten nennen die Frau, die zu Beginn der Diskussion nach dem Vortrag aufgetreten ist, "unsere Vertreterin in Konstanz". Laut Vhs-Direktor Lothar Stetz, der die Vorträge in Singen und Konstanz gehört hat, sei die Frau nach vorne gestürmt und habe verkündet, sie wolle die Veranstaltung sprengen. "Die Stimmung im Raum war plötzlich unheimlich aggressiv", sagt Lothar Stetz. "Es hat nicht viel gefehlt, und wir hätten eine Prügelei gehabt." Deshalb hat er auch überlegt, die Polizei zu rufen: "Die Situation hätte leicht außer Kontrolle geraten können".
Auch die routinierte Scientology-Expertin Ursula Caberta bezeichnet die Störenden in Singen und Konstanz als aggressiv.* Caberta leitet seit 15 Jahren die Hamburger Arbeitsgruppe Scientology, berät Aussteiger und dokumentiert das Wirken der Organisation. In ihrem Vhs-Vortrag "Schwarzbuch Scientology" hatte sie erzählt, dass die Mitglieder der Organisation sich heute genauso verfolgt fühlen wie damals die Juden im Dritten Reich. Dass sie inhaltlich nicht viel zu sagen haben, sondern sich zur Aufgabe machen, jede Veranstaltung über Scientology zu stören oder noch besser: zu verhindern. Offenbar haben auch die Mitglieder des Bundes gegen Anpassung dieses Ziel. Dass die Polizei trotz allem doch nicht einschreiten musste, ist auch den Konstanzer Bürgern zu verdanken. Ein älterer Mann hat gleich am Anfang zu einer Störenden gesagt: "Zeigen Sie doch mal Ihren Scientology-Mitgliedsausweis", sagt Ursula Caberta. "Das fand ich sehr beeindruckend. Ich hatte sowieso das Gefühl, dass in Konstanz einige Zuhörer waren, die sich mit dem Thema beschäftigt hatten." (suedkurier.de, 29.3.2008)
Für "beeindruckend" hält Caberta eine "Argumentation", die - auf unseren indonesischen Fall übertragen - von einem FPI-Anhänger, wie folgt, hätte formuliert werden können: "Wer Ahmadis verteidigt, ist im Zweifel selber einer!"** Während es in der Bundesrepublik Deutschland als politisch korrekt gilt, nach einem Verbot religiöser Minderheiten zu rufen, bieten in Indonesien liberale Muslime islamistischem Tugendterror die Stirn und plädieren für eine Legalisierung der Ahmadiyya. Welch ein Zivilisationsgefälle!
* Der Versuch, den Verfechtern religiöser Toleranz Aggressivität zu bescheinigen und sie als Verantwortliche für eine drohende (Gewalt-)Eskalation darzustellen, wird in merkwürdiger Weise konterkariert durch den Vorspann des Artikels: "Erst in Singen, dann in Konstanz: Aktivisten setzten sich verstreut ins Publikum eines Volkshochschulvortrags von Ursula Caberta und wollten die Veranstaltung sprengen. Das Publikum reagierte gereizt und verhinderte, dass die Störenfriede ihr Ziel erreichen. Nun wendet sich der "Bund gegen Anpassung" mit Flugblättern gegen die Hamburger Scientology-Expertin." Hier wird das Naheliegende ausdrücklich bestätigt: Daß es die Hasser bürgerlicher Freiheitsrechte sind, die einen freien demokratischen Diskurs im öffentlichen Raum als eine Zumutung begreifen - und daher "gereizt" auf argumentativ begründeten Widerspruch reagierten ...
** Tatsächlich wurde ebendieser Vorwurf gegen das erste Staatsoberhaupt Indonesiens, Achmed Sukarno, erhoben, weil dieser die Ahmadis - aufgrund deren politischen Verhaltens - als einen Teil der republikanischen Staatsbürgergemeinschaft behandelte: "Some leaders of the nationalist movement, in particular Soekarno (the first president of Indonesia), welcomed Ahmadiyya in Indonesia since it supported the Indonesian struggle for independence. Due to that warm reception, Soekarno was accused of being a follower of Ahmadiyya, which he, however, denied later on." (Dawam Rahardjo, "Terror upon Ahmadiyya and Freedom of Religion", in: Liberal Islam Network [18.7.2005])
[Anmerkungen von mir, Daniel L. Schikora]
Nachtrag: In seinem Flugblatt vom 18.3. geht der "Bund gegen Anpassung" (BgA) aus seiner Sicht auf die Vorfälle in Singen und Konstanz ein. Zudem legt der BgA dar, was ihn - als Atheistenbund - dazu veranlaßt, (im Voltaireschen Geiste) gegen Religionsverfolgungen Stellung zu nehmen - und warum er religiöse Vielfalt den (amtskirchlich bedingten) monopolistischen oder oligopolistischen Strukturen auf dem religiösen Markt der Bundesrepublik Deutschland vorzieht.
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mardi 29 avril 2008
Indonesien: Jagd auf Ahmadis vereint Mob und Elite

Ein Mob von mehreren hundert muslimischen Fanatikern zündete gestern morgen im westlichen Java eine Ahmadiyya-Moschee an. Die 1889 durch Mirza Ghulam Ahmad (unser Bild) auf dem Indischen Subkontinent ins Leben gerufene Reformbewegung Ahmadiyya ist gegenwärtig das Angriffsziel nicht nur gewalttätiger islamistischer Extremisten, sondern auch einer Regierungskommission, die auf ein Verbot dieser (vergleichsweise liberalen, "pro-europäischen") Strömung des Islam hinarbeitet. Die höchste Autorität des Islam in dem größten muslimischen Staat des Planeten, der Rat der Ulema von Indonesien, stuft Ahmadiyya als häretisch ein.
Auch in Indonesien treten somit die Institutionen einer säkularen Republik (die Indonesien freilich auch seinem verfassungsrechtlichen Anspruch nach nur in einer sehr eingeschränkten Weise ist) offen und unverhohlen als Vollstrecker der Wünsche und Forderungen einer etablierten Geistlichkeit - und des anti-republikanischen Sponti-Mobs auf.
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mercredi 23 avril 2008
Ein Blechtrommler kommt selten allein

FAZ, 23.4.2008:
"Einen Fragesteller aus Algerien, der sich über die dschihadistische Rechtmäßigkeit des Anschlags gegen das Büro der Vereinten Nationen in Algier erkundigt hatte, bei dem im Dezember 41 Menschen getötet wurden, beruhigte [Al-Qaida-Vize Ayman al] Zawahiri: Die UN seien ein Feind des Islams und der Muslime. Sie hätten die Gründung des Staates Israel ermöglicht, Osttimor von Indonesien abgespalten*, 'Kreuzfahrer' nach Afghanistan und in den Irak entsandt, aber nichts für die Muslime Tschetscheniens, Kaschmirs, Bosniens sowie in Melilla und Ceuta getan. Jene, die in Algier getötet wurden, seien daher nicht unschuldig gewesen, sagte Zawahiri."
* Tatsächlich war 1975 die Armee des mehrheitlich muslimischen Indonesien in Osttimor eingefallen. Der - bis 1999 anhaltenden - völkerrechtswidrigen indonesischen Besatzungsherrschaft fielen über 200.000 Osttimoresen zum Opfer (1975 hatte Osttimor 800.000 bis 850.000 Einwohner). Die indonesischen Mörder konnten sich dabei jahrzehntelang auf die Waffenlieferungen "westlicher" Staaten, wie der USA, Großbritanniens und der BR Deutschland, ebenso verlassen wie auf die Soli-Erklärungen des Gros der islamischen UN-Mitgliedstaaten (Ausnahme: Algerien).
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