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jeudi 14 février 2008

Völkische Mordbrenner - Verhandlungspartner zivilisierter Gemeinwesen?


Aus einem Interview des Monatsmagazins konkret mit dem französischen Souveränisten Max Gallo, September 2000:

konkret: Sie haben entschieden Stellung gegen das Autonomie-Abkommen für Korsika bezogen. Warum?

Gallo: Mit diesem Abkommen werden Leute salonfähig gemacht, die ein völlig anderes Wertesystem haben. Sie respektieren weder das Leben noch das Recht. Schon durch die Verhandlungsaufnahme mit ihnen hat sich die Regierung Jospin erpreßbar gemacht. Es handelt sich um eine Kapitulation vor Leuten, die niemals auf den bewaffneten Kampf verzichtet haben und die weiterhin die Morde an französischen Beamten verteidigen, wie zum Beispiel den Mord am korsischen Präfekten Erignac.

konkret: Warum hat die Regierung mit diesen Leuten überhaupt Verhandlungen aufgenommen?

Gallo: Natürlich kann man auch mit Leuten diskutieren, die die Unabhängigkeit wollen, aber nur wenn sie demokratische Verfahren akzeptieren. Die korsischen Nationalisten aber sind mit den roten Brigaden oder der Action Directe in Frankreich vergleichbar. Das heißt: Sie sind eine Minderheit, die sich aus verschiedenen Gründen im Besitz der Wahrheit wähnt und alle die, die diese Wahrheit nicht teilen, als Verräter betrachtet, die man töten oder bedrohen muß.

[...]

konkret: Von korsischen Nationalisten wird Korsika mit dem Kosovo verglichen.

Gallo: Das finde ich sehr amüsant. Im Prinzip wurde der Krieg der Nato auf dem Balkan im Namen der Verhinderung ethnischer Säuberungen geführt [die im Kosovo tatsächlich durch die - auch von Max Gallo abgelehnte - "humanitäre Intervention" der Nato erst ermöglicht wurden - von der Vertreibung der Krajina-Serben durch Tudjman-Kroatien mit Unterstützung der Führungsmacht der Nato 1995 ganz zu schweigen; Anm. von Daniel L. Schikora]. Die korsischen Nationalisten, die sich auf das Kosovo beziehen, sind aber gerade Parteigänger der ethnischen Säuberung. Der französische Staat verhandelt also mit Leuten, die für ethnische Säuberungen eintreten. [...]

lundi 22 octobre 2007

Max Gallo: "Frankreich war nicht nur, aber es war auch eine Nation von Widerstandskämpfern"


Präsident Sarkozys Vorhaben, am heutigen Tag an allen französischen Schulen zum ersten Mal den Abschiedsbrief des jugendlichen Widerstandskämpfers Guy Môquet lesen zu lassen, der am 22. Oktober 1941 erschossen wurde, rief in Frankreich eine Kontroverse hervor: "Die Pflichtlektüre des Briefes stößt in Frankreich auf Widerstand bei der Lehrerschaft und bei Historikern. Sie wehren sich gegen den Versuch einer von oben verordneten Geschichtsschreibung. Zugleich kritisieren sie, dass mit Guy Môquet ein kommunistischer Widerstandskämpfer zum Vorbild für die französische Jugend erhoben werde, der vor dem Bruch des Hitler-Stalin-Paktes im Oktober 1940 von französischen Polizisten festgenommen worden war. Die Kommunistische Partei habe am Beispiel Môquets ihre eigene, widersprüchliche Rolle zu verbergen gesucht."

Der Historiker und republikanische Patriot Max Gallo, Mitglied der Académie française, verteidigt Sarkozy mit den folgenden Worten:

"Nach einer Periode, die mit der Rede Jacques Chiracs am 16. Juli 1995 über die Mitschuld des französischen Staates an der Judenverfolgung begann, soll das Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Es spricht für Sarkozys Willen, die Reuehaltung durch einen historischen Rückblick auszugleichen. Wir können aus dieser Zeit nicht nur Vichy behalten und die Résistance ausklammern. Frankreich war nicht nur, aber es war auch eine Nation von Widerstandskämpfern."


Die Aufwertung der Rolle der Résistance in der französischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges ziele auf einen Konsens, "dass wir stolz auf Frankreich sein können".

Im folgenden sei der Brief des 17jährigen kommunistischen Résistant Guy Môquet in seiner (auf Ernst Jünger zurückgehenden) deutschen Übersetzung dokumentiert.

Meine liebe Mutter
Mein sehr lieber kleiner Bruder
Mein lieber Vater

Ich stehe vor dem Tode. Ich bitte Euch, und Dich besonders liebe Mutter, mutig zu sein. Ich bin es und möchte es ebenso sein wie jene, die vor mir gestorben sind. Gewiss würde ich gerne leben, aber was ich von ganzem Herzen wünsche, dass mein Tod zu etwas gut sein möge. Ich hatte nicht Zeit, meinen Bruder Jean zu umarmen, ich habe meine beiden Brüder Roger und Rino umarmt, aber nicht meinen wirklichen. Leider. Ich hoffe, dass alle meine Sachen Dir zugesandt werden, sie werden Serge nutzen, der, wie ich hoffe, stolz sein wird, sie eines Tages zu tragen.

Dich lieber Vater, dem ich ebenso wie meiner lieben Mutter manchen Kummer gemacht habe, grüße ich zum letzten Mal. Glaube, dass ich mein Bestes tat, um dem Weg zu folgen, den Du mir gewiesen hast. Einen letzten Gruß an all meine Freunde und an meinen Bruder, von dem ich gerne sehe, dass er studiert und dass er gut studiert, um später ein rechter Mann zu sein. 17 und ein halbes Jahr, mein Leben ist kurz gewesen, aber ich bedaure nur, dass ich Euch verlassen muß. Ich werde mit Tintin und Michels sterben. Mama, worum ich Dich bitte und was Du mir versprechen musst, das ist, mutig zu sein und den Schmerz zu überwinden. Ich kann nicht mehr schreiben, ich verlasse Euch alle, alle, Dich Mama, Sésenge, Papa. Ich umarme Euch mit kindlichem Sinn. Mut.

Euer Guy, der Euch liebt.

Guy.


(Zitate nach: FAZ, 22.10.2007)