lundi 28 janvier 2008

Nazis gegen Aleviten


Wenn Aleviten in der deutschen Öffentlichkeit als Muslime auftreten, die nicht nur bereit sind, die Rechtsordnung der säkularen Republik anzuerkennen, sondern auch wirkungsmächtig von ihren politischen Partizipationsrechten Gebrauch machen, um integristische Angriffe fundamentalistischer Muslime auf Verfassungsstaat und pluralistische Demokratie abzuwehren, so müssen dies Multikulturalisten, aber auch "klassische" Rassisten als Provokation empfinden. Denn eine ("allochthone") Muslima - so der islamistisch-multikulturalistisch-rassistische Konsens - habe sich gefälligst zu verschleiern.

Die folgenden Episoden aus dem rechtsextremistischen deutschen "Diskurs" führen vor Augen, wie die Verfechter eines ethnozentrischen Verständnisses des deutschen Volkes sich offen die Positionen "linker" und islamistischer Propagandisten eines Kotaus vor traditionalistischen oder fundamentalistischen Strömungen innerhalb der muslimischen Einwanderergesellschaften zueigen machen.

I

Der NPD-Landesverband Niedersachsen lässt keinen Zweifel daran, dass in der Auseinandersetzung mit der „Tatort“-Episode „Wem Ehre gebührt“ seine Sympathien keinesfalls auf der Seite liberaler Muslime liegen:

"Jene Aleviten, die jetzt gegen den NDR wegen eines Tatorts Strafanzeige wegen »Volksverhetzung« gestellt haben, sind jedenfalls in dieser Bundesrepublik angekommen, die sich immer mehr durch Gesinnungsschnüffelei und Denkverbote auszeichnet. »Volksverhetzung« wird zur strafrechtlichen Keule für jene, die sich der Kritik auf mehr oder weniger elegante Weise entziehen wollen.

Spätestens aber wenn sich abzeichnet, daß hier die religiösen Hahnenkämpfe in diesem Fall zwischen Sunniten und Aleviten in Deutschland ausgetragen werden, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, daß das Gastrecht mißbraucht wird. Die Demonstration der Aleviten in Hannover sollte jedem Niedersachsen zeigen, was daraus wird, wenn Gäste anfangen, die Regeln zu bestimmen."

Aleviten gelten, auch wenn sie deutsche Staatsangehörige sind und - zum Unterschied von so manchem "Nationaldemokraten" - sich mit dem Staats- und Gesellschaftsmodell der freiheitlich-demokratischen Republik in toto identifizieren, der NPD also als "Gäste", die ihre Rechte "missbrauchen", wenn sie ihre bürgerlichen Freiheiten in Anspruch nehmen. Wenn Angehörige einer religiösen Minderheit wie der Aleviten Diffamierungen seitens des sunnitischen Mehrheitsislam (und dessen multikulturalistischer Weggefährten) öffentlich entgegentreten, so liegt in der Sicht der NPD ein "religiöser Hahnenkampf" vor. Dass deutsche Rechtsextremisten einen Muslim nicht von einem Muslim unterscheiden könnten, trifft freilich nicht zu: Der iranische Staatsterrorist Ahmadinedjad gilt den "nationaldemokratischen" Aleviten-Kritikern als Bannerträger der "Meinungsfreiheit", wenn er das Andenken der jüdischen Hitler-Opfer verhöhnt und der demokratischen israelischen Republik völkerrechtswidrig Gewalt androht.

II

Ich habe die Ekelschwelle überwunden und mir durchgelesen, was Politically Incorrect ("PI"), das Blog des als "Diplomsportlehrer" auftretenden Stefan Herre, über die politisch korrekte Aleviten-Schelte der Berliner tageszeitung vom 21.1.2008 zu sagen hat:

"Ausgerechnet von der linken taz erhalten wir jetzt unerwartet Schützenhilfe. [...] Vielen Dank an Necla Kelek und die taz für die klärenden Worte. Und ehrlich gesagt: Wenn das der “aufgeklärte Islam” sein soll, in den Beschwichtigungsdogmatiker ihre Hoffnungen für integrierte Türken in Deutschland setzen … den könnt ihr euch auch an den Turban stecken."

Tatsächlich stimmt "PI" nicht nur hinsichtlich der Aleviten "ausgerechnet" mit der "linken taz" - und anderen Multikulturalisten - überein. Radikale Multikulturalisten* wie Nazis lehnen den universalen Geltungsanspruch der Menschen- und Bürgerrechte ab, weshalb sie kein Problem darin sehen, wenn etwa tschetschenischen Muslimen die Scharia aufgezwungen wird. Die durchgängig pro-islamistischen Stellungnahmen von "PI" zu den Anti-Terror-Operationen der Russischen Föderation gegen die Schwesterorganisation von Taliban und Al Qaida in Tschetschenien habe ich hier thematisiert:

Grün-braun: Nazis für "Kosova" und Tschetschenien (6.10.2007)

Stefan Herre solidarisiert sich mit islamistischen Holocaust-Verharmlosern (20.10.2007)

Wann steigt Nazi-Blogger Stefan Herre beim "Watchblog Islamophobie" ein?
(23.10.2007)

Der von interessierter Seite gegen "PI" erhobene Vorwurf, alle Muslime in einen Topf zu werfen, trifft daher durchaus nicht den Kern der Sache. Vielmehr korrespondiert bei "PI" - wie in den Stellungnahmen der NPD - die Hetze auch und vor allem gegen liberale Muslime dem dröhnenden Schweigen über Menschenrechtsverletzungen ungeheuerlichen Ausmaßes, die von islamistischen Radikalen (etwa in Tschetschenien oder dem Iran) ausgehen. Auch die Völkischen von "PI" scheinen sich eher mit tschetschenischen "Freiheitskämpfern" identifizieren zu können, die zum Judenmord aufrufen, als mit Aleviten, die sich in die moderne deutsche Staatsbürgergemeinschaft vielfach mühelos zu integrieren scheinen - und sich darin in signifikanter Weise von ethnisch-deutschen "PI"- oder NPD-Anhängern unterscheiden.

P. S.: Stellen sich auch islamistische Bestialitäten, wie das gegen Aleviten gerichtete Massaker in Sivas im Juli 1993 (unser Bild) oder der Kindermassenmord tschetschenischer Islamisten in Beslan im September 2004, in den Augen rechtsextremistischer Kulturrelativisten als Akte "religiöser Hahnenkämpfe" zwischen sunnitischen Integristen und deren alevitischen resp. christlichen Opfern dar?

* Um Missverständnissen vorzubeugen: Necla Kelek repräsentiert durchaus keine radikal-multikulturalistischen Positionen, im Gegenteil, ihre Kritik an traditional-islamischen Parallelstrukturen (auch) in der BR Deutschland, verbunden mit ihrer Ablehnung einer kulturrelativistischen Infragestellung des universalen Geltungsanspruchs einer auf Menschenrechte gegründeten politischen Ordnung, hat ihr vehementen Widerspruch bis hin zu wüsten Anfeindungen jener eingebracht, die nun ihre Anti-Aleviten-Polemik mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben dürften.

1 commentaire:

Pit a dit…
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