lundi 22 octobre 2007

Max Gallo: "Frankreich war nicht nur, aber es war auch eine Nation von Widerstandskämpfern"


Präsident Sarkozys Vorhaben, am heutigen Tag an allen französischen Schulen zum ersten Mal den Abschiedsbrief des jugendlichen Widerstandskämpfers Guy Môquet lesen zu lassen, der am 22. Oktober 1941 erschossen wurde, rief in Frankreich eine Kontroverse hervor: "Die Pflichtlektüre des Briefes stößt in Frankreich auf Widerstand bei der Lehrerschaft und bei Historikern. Sie wehren sich gegen den Versuch einer von oben verordneten Geschichtsschreibung. Zugleich kritisieren sie, dass mit Guy Môquet ein kommunistischer Widerstandskämpfer zum Vorbild für die französische Jugend erhoben werde, der vor dem Bruch des Hitler-Stalin-Paktes im Oktober 1940 von französischen Polizisten festgenommen worden war. Die Kommunistische Partei habe am Beispiel Môquets ihre eigene, widersprüchliche Rolle zu verbergen gesucht."

Der Historiker und republikanische Patriot Max Gallo, Mitglied der Académie française, verteidigt Sarkozy mit den folgenden Worten:

"Nach einer Periode, die mit der Rede Jacques Chiracs am 16. Juli 1995 über die Mitschuld des französischen Staates an der Judenverfolgung begann, soll das Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Es spricht für Sarkozys Willen, die Reuehaltung durch einen historischen Rückblick auszugleichen. Wir können aus dieser Zeit nicht nur Vichy behalten und die Résistance ausklammern. Frankreich war nicht nur, aber es war auch eine Nation von Widerstandskämpfern."


Die Aufwertung der Rolle der Résistance in der französischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges ziele auf einen Konsens, "dass wir stolz auf Frankreich sein können".

Im folgenden sei der Brief des 17jährigen kommunistischen Résistant Guy Môquet in seiner (auf Ernst Jünger zurückgehenden) deutschen Übersetzung dokumentiert.

Meine liebe Mutter
Mein sehr lieber kleiner Bruder
Mein lieber Vater

Ich stehe vor dem Tode. Ich bitte Euch, und Dich besonders liebe Mutter, mutig zu sein. Ich bin es und möchte es ebenso sein wie jene, die vor mir gestorben sind. Gewiss würde ich gerne leben, aber was ich von ganzem Herzen wünsche, dass mein Tod zu etwas gut sein möge. Ich hatte nicht Zeit, meinen Bruder Jean zu umarmen, ich habe meine beiden Brüder Roger und Rino umarmt, aber nicht meinen wirklichen. Leider. Ich hoffe, dass alle meine Sachen Dir zugesandt werden, sie werden Serge nutzen, der, wie ich hoffe, stolz sein wird, sie eines Tages zu tragen.

Dich lieber Vater, dem ich ebenso wie meiner lieben Mutter manchen Kummer gemacht habe, grüße ich zum letzten Mal. Glaube, dass ich mein Bestes tat, um dem Weg zu folgen, den Du mir gewiesen hast. Einen letzten Gruß an all meine Freunde und an meinen Bruder, von dem ich gerne sehe, dass er studiert und dass er gut studiert, um später ein rechter Mann zu sein. 17 und ein halbes Jahr, mein Leben ist kurz gewesen, aber ich bedaure nur, dass ich Euch verlassen muß. Ich werde mit Tintin und Michels sterben. Mama, worum ich Dich bitte und was Du mir versprechen musst, das ist, mutig zu sein und den Schmerz zu überwinden. Ich kann nicht mehr schreiben, ich verlasse Euch alle, alle, Dich Mama, Sésenge, Papa. Ich umarme Euch mit kindlichem Sinn. Mut.

Euer Guy, der Euch liebt.

Guy.


(Zitate nach: FAZ, 22.10.2007)

1 commentaire:

Hecker a dit…
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