jeudi 3 juillet 2014

Informationspolitik für Deutsch-Europa (15)

Jüdische Allgemeine, 3.7.2014:

"Die deutsche Nahostberichterstattung beruht auf zwei goldenen Regeln. Erstens: Israel ist immer schuld. Zweitens: Sollte Israel ausnahmsweise weniger schuld als üblich sein, ist so lange Fantasie gefragt, bis Regel Nummer eins in Kraft tritt. Insofern dürfte die Entführung der drei israelischen Teenager durchaus eine Herausforderung für jeden ordentlichen Medienmacher gewesen sein. Denn wenn Jugendliche gekidnappt und ermordet werden – und zwar nur, weil sie Juden waren –, braucht es schon ein wenig mehr Aufwand, um den Israeli zum Täter zu befördern.

Die deutschen Medien haben jedoch auch diese Aufgabe bravourös gemeistert. Zunächst wurden aus unschuldigen Jungs verdächtige »Siedlerkinder«, die qua Wohnort ohnehin eine Teilschuld treffe. Mal waren sie »verschwunden«, mal »vermisst« oder gar »verschollen« – ganz so, als wären sie einfach irgendwo verloren gegangen. Entführt waren sie indes eher selten. Allerhöchstens »mutmaßlich« entführt, man will ja bloß nicht vorverurteilen.

So viel Sorgfalt ist allerdings kein Wunder. Die Kidnapper klar zu benennen, würde nämlich das hiesige Täter-Opfer-Schema für nahöstliche Angelegenheiten völlig auf den Kopf stellen. Insofern blieb nichts anderes übrig, als den Übeltäter in Jerusalem aufzuspüren. »Cui bono?«, orakelte es da, um Israels Premier Netanjahu zum Nutznießer erklären zu können, dem die Tragödie gerade recht käme, um die schöne neue palästinensische Einheitsregierung zu spalten.

Dass dann am Montag eher von »gefundenen Leichen« die Rede war, ist nur konsequent. Es gehörte schon etwas mehr dazu als nur die Lektüre der Titelzeilen, um von drei brutalen Morden zu erfahren. Schließlich ist Mord ein Verbrechen, das deutsche Medienmacher bevorzugt in Gaza und unter Federführung der IDF ausmachen. Mord an Israelis dagegen lässt sich mit den zwei goldenen Regeln nur schwer in Einklang bringen. Regeln, die in eine Überdosis Empathielosigkeit münden und nur durch das schier unstillbare Bedürfnis zu erklären sind, die Opfer von damals zwecks Schuldabwehr zu den Tätern von heute zu stilisieren.

Insofern können die Medienmacher nun endlich aufatmen. Ab sofort tritt nämlich wieder Regel Nummer eins in Kraft: »Israel droht mit Vergeltung«, schlagzeilt es landauf, landab. Da lacht das deutsche Journalistenherz."

1 commentaire:

Peter Bierwirth a dit…

Ganz so "einseitig", wie es der Autor dieses Artikels darstellt, ist die Berichterstattung über diesen traurigen Vorfall der 3 entführten und ermordeten israelischen Jugendlichen durch die deutsche Presse nicht. Ein Mord wir auch als Mord bezeichnet, und gerade bei Jugendlichen, die ihr Leben noch vor sich gehabt haben, ist auch das Mitgefühl deutscher Zeitungsleser mit ihrem Schicksal zweifellos vorhanden! Die Töter sollen gefunden und bestraft werden. Gegenseitige Schuldzuweisungen haben noch nie zu dauerhaften friedvollen Beziehungen geführt. Durch seine Geschichte ist Deutschland mit Israel verbunden und wird es auch in Zukunft bleiben!